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Kandidatenvorstellung durch die Gemeinde

Wie die Marbacher Zeitung und die Ludwigsburger Kreiszeitung bereits berichteten, fand am 05. März die offizielle Vorstellung der Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters statt in der Halle auf der Schray.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, diese erste von mehreren Veranstaltungen in der Retrospektive etwas einzuschätzen.

Zunächst einmal fiel auf, wie stark besucht die Veranstaltung war.

Es waren 800 Sitze bestuhlt worden, und trotzdem verteilte sich noch zusätzlich eine nicht gerade kleine Gruppe an Menschen auf die Tribünen.

Erdmannhausen ist offensichtlich mitten im Wahlkampffieber und die Menschen sind energisch dabei, sich einen Eindruck von den Kandidaten zu verschaffen.

Unter Anderem fielen mir ein größeres Kontingent der Mitglieder der Feuerwehr auf, und natürlich die Gruppe aus dem Jugendhaus, die einen gemeinsamen Besuch angekündigt hatten.

Die Veranstaltung bestand aus drei Teilen, einem Redeslot von 10 Minuten pro Teilnehmer, einer anschließenden Fragerunde und nochmals 3 Minuten pro Kandidaten als Redeslot für ein Schlußwort.


Reden


Ich war bereits der zweite Redner. da ich meine Kontrahenten nicht beobachten durfte fällt mir der Vergleich etwas schwer anhand der mir später zugetragenen Berichte.

Ich selbst bin mit meiner Rede nicht ganz unzufrieden – Verbesserungspotential gibt es natürlich – da ich als Einziger Kandidat die Rede frei hielt und nicht von einem Blatt ablas, zumindest für mich macht das immer den Eindruck, dass man die eigenen Themen besser kennt und nicht auf Hilfsmittel angewiesen ist.
Zudem konnte ich meine Themen wie Transparenz und Teilhabe, Stärkung des Vereinswesens, ÖPNV und Verkehr sowie natürlich Breitbandausbau und Amtsgänge digitalisieren unterbringen und auch die Gelegenheit nutzen, ein wenig über meinen persönlichen Hintergrund und wie ich zu diesen Themen und zu meinem Wunsch, Bürgermeister zu werden komme, zu berichten.

Die Fragerunde war aus meiner Sicht zunächst gut, spannend und unterhaltsam, entwickelte sich aber etwas merkwürdig.


Fragerunde


Zunächst richteten sich die Fragen an alle Kandidaten, es wurde unterhaltsam als wir Besuch auf der Bühne bekamen und die Antworten ähnelten sich.

Im Lauf des Abends kristallisierte sich auch die digitalen Themen als ein Schwerpunkt heraus. Doch obwohl meine Mitbewerber hier anmerken mussten, nicht über mein Fachwissen zu verfügen, wurden mir die Fragen nicht alle gestellt sondern gezielt an einzelne andere Kandidaten.

Ich möchte daher die Gelegenheit ergreifen und ein paar der Fragen eingehender zu beantworten und manche Antworten meiner Mitbewerber hier zu korrigieren:

5-G Netzausbau

Ich hatte die Eingangsfrage, wie man zum 5G Ausbau steht, etwas kurz gehalten, da ich keinen mehrstündigen Vortrag halten wollte, da dieses Thema einen tieferen Exkurs in technische Details notwendig macht, wurde aber bei späteren Nachfragen zu dem Thema nicht mehr gefragt.

Vereinfacht formuliert unterscheidet sich 5G von 4G genauso wie 4G einst von 3G und so weiter durch die Frequenz im elektromagnetischen Spektrum mit dem das Signal übertragen wird. 5G wird in einer höheren Frequenz abgestrahlt, was zwei Konsequenzen nach sich zieht.

Zum Einen kann in einer deutlich höheren Geschwindigkeit bis zum nächsten Sendemasten gesendet werden – man spricht von einer theoretischen Zunahme auf das hundertfache.
Da diese Masten in der Regel aber immer noch per herkömmlicher Kupferverkabelung an das Festnetz angebunden sind, wird die Verbindung nicht schneller für den Alltag sondern allenfalls zu direkt miteinander kommunizierenden Geräten wie beim autonomen Fahren.

Zum Anderen wird die Reichweite des Signals deutlich reduziert.
Höherfrequente Strahlung ist energieärmer und verliert deshalb bereits auf kürzerer Distanz an Stabilität.
In der Folge bedeutet dies, dass um die gleiche Netzabdeckung zu erreichen ein Vielfaches an Sendemasten aufgestellt werden muss. Diesen Effekt sehen wir auch längst bei den Bereichen 4G, 3G und so weiter.

Aus diesen beiden Gründen antwortete ich, dass das Thema eine gewisse Rolle beim autonomen Fahren spielt, der Endanwender von einem solchen Ausbau aber keinerlei Vorteile erleben wird.

Ergänzend könnte man noch sagen, dass sich meine Mitbewerber irren wenn sie 5G als wichtiges Thema im Bereich Digitalisierung nennen.
Wie bereits erwähnt spielt es lediglich im Bereich direkte drahtlose Echtzeitkommunikation auf absehbare Zeit eine Rolle, und das einzige aktuelle Forschungsgebiet, wo dies eine Rolle spielt, ist der Bereich autonomes Fahren.

Beim autonomen Fahren wiederum gibt es Vorgaben vom Gesetzgeber, wie die Algorithmen zu arbeiten haben, die eine einprogrammierte Ethik beinhaltet anstelle einer mathematischen Auswertung.
Man will verhindern, dass Opferzahlen miteinander aufgezählt und gewichtet werden.
Der derzeitige Forschungsstand in der Informatik hat nicht die leiseste Ahnung OB das überhaupt von einem Algorithmus umgesetzt werden kann und schon gar nicht in welchem Zeitrahmen wir soweit kommen könnten.

Von daher spielt das Thema 5G frühestens dann eine Rolle, wenn Deutschland flächendeckend mit Glasfaser verkabelt ist, was noch ein sehr langer Zeitraum sein wird.

Die Bedenken zum Thema Gesundheit, die von einigen angebracht wurden kann man sehr kurz beantworten, denn sie sind weitestgehend Substanzlos.

Wie bereits erwähnt handelt es sich um EM Strahlung in einem höheren Frequenzbereich. Dies bedeutet, dass es energieärmere Strahlung ist und damit grundsätzlich eine Strahlung die nicht ionisierend ist, ja sogar noch ungefährlicher ist als diejenige die wir bereits täglich um uns herum mit unseren Smartphones und Tablets ausstrahlen.

Es gibt keine Langzeitstudien, dies hat Herr Fuchs gut beschrieben, da die Technologie zu neu ist für eine Langzeitstudie, es besteht aber auch keine Kausalitätsvermutung in diesem Bereich in der Wissenschaft.

Wenn wir von medizinischen Risiken beim Thema 5G sprechen, dann ist damit gemeint, welche Folgen ein weiterer Anstieg an strahlenden Geräten im Alltag haben könnte, wodurch sich die Gesamtbelastung erhöht.

Geht man von einem sinnvollen Einsatz von 5G aus, sprich geht man davon aus, dass in Zukunft permanent Autos miteinander über das 5G Netz kommunizieren um selbstständig fahren zu können, dann kommen wir in diese Themenbereiche.

Aber bis dahin vergehen noch ein paar Jahrzehnte und dann gibt es auch Langzeitstudien darüber.

Breitbandausbau

Jemand hatte einen Fall beschrieben wo ein Haus im Gewerbegebiet geerbt wurde und lediglich eine 16K Leitung dort vorhanden ist und wollte wissen wie dies sein könnte – immerhin handelt es sich um ein Gewerbegebiet mit entsprechendem Breitbandbedarf – und was man dagegen unternehmen wolle. Leider wurde ich an dieser Stelle nicht gefragt.

Meine Mitbewerber konnten hier verständlicherweise keine qualifizierte Antwort geben, da ihnen der fachliche Hintergrund fehlt.

Zunächst einmal zu der Frage, wie so ein Zustand sein kann.

Bis vor wenigen Jahren hat es keine Förderung für Breitbandausbau überhaupt gegeben, und als sie dann kam wurde auch eine Technologie namens Vectoring gefördert, die das damalige Minimalziel von 50 Mbit/s Downstream erreichte, und uns langfristig weiter zurückwarf.

Hierbei kamen weiterhin Kupferkabel zum Einsatz, die mittlerweile am Ende der Entwicklungsmöglichkeiten liegen und andere Provider technisch bedingt von diesem Gebiet komplett ausgeschlossen haben für die Zukunft.

Internetanschlüße haben zwei unterschiedliche Kennzahlen, den Down- und den Upstream.
Beim Downstream geht es darum wie schnell man einen Inhalt aus dem Internet empfangen kann – beispielsweise beim Aufrufen einer Webseite – und beim Upstream geht es darum wie schnell man einen Inhalt in das Internet senden kann, beispielsweise beim Versenden einer E-Mail.

Für Privatanwender spielt der Upstream in der Regel eine sehr geringe Bedeutung, wohingegen der Downstream darüber entscheidet, ob man einen Film ruckelfrei oder nicht sehen kann.

Unternehmen haben ein umgekehrtes Anforderungsprofil und benötigen eher einen starken Upstream um ihren elektronischen Schriftverkehr versenden, und ihre gehosteten Server erreichen zu können.
Zudem gibt es auf administrativer Ebene auch Möglichkeiten den Bedarf an Downstream in einem größeren Netzwerk nochmals deutlich zu reduzieren.

Die Antwort auf die Frage, wie eine solche Leitung im Industriegebiet sein kann lautet also ganz einfach, dass sie dem bisherigen Bedarf der Unternehmen entsprach und sich ein Ausbau durch die Privatwirtschft nicht gerechnet hat.

Zur Frage, was man dagegen unternehmen wolle äußerten meine Mitbewerber, dass man da wenig machen könne, da dies Länder- oder gar Bundessache sei.

Das ist kurz gesagt falsch und hätte ein Parteikollege von mir nicht kurzfristig absagen müssen, bin ich mir sicher dass er direkt ans Mikrofon gestürmt wäre und diese Aussage zerlegt hätte aus persönlicher Erfahrung.

Bund und Land haben ihren Teil der Arbeit längst erledigt. Es gibt große Fördertöpfe für das Thema Glasfaserausbau, aber die Kommunen schöpfen diesen bisher nur unzureichend aus.

Darüber hinaus hatte Herr Fuchs schon richtig auf den Glasfaserverbund der Region hingewiesen als ein möglicher Ansatz.

Durch das Thema interkommunales Gewerbegebiet gibt es zudem neue Anreize für Provider, sich hier zu engagieren.
Ich habe dies direkt in Murr erlebt als Administrator bei der Fermo Massivhaus AG, als Provider auf uns zukamen und um Gewerbekunden geworben haben.

Für die Provider rechnet sich das Verlegen von Leitungen dann, wenn eine kritische Masse an Neukunden erreicht werden kann, so dass die hohen Investitionskosten absehbar refinanziert werden können.

Ein entsprechend großes Gewerbegebiet stellt aus betriebswirtschaftlicher Sicht einen bedeutenden garantierten Absatzmarkt für entsprechende Internetanschlüsse dar.

Hierzu wird dann ein Verteiler gebaut und verkabelt im Gewerbegebiet, wodurch sich die Kosten für eine weitere Verkabelung bis in die Gemeinde drastisch reduzieren.

Die Gemeinde Erdmannhausen hat also tatsächlich gleich drei direkte Möglichkeiten, das Thema anzugehen und muss es auch tun.
Laut Breitbandatlas des Bundesverkehrsministeriums liegen in Erdmannhausen bis heute nur Kupferkabel.
Selbst wenn diese Informationen veraltet sind, so muss man klar festhalten, dass diese Technolgie ausgereitzt ist und keine weiteren Entwicklungssprünge mehr kommen werden.

Die Nutzung des Internets nimmt aber stetig zu und die Verkabelung stellt nicht nur die Grundlage für den Hausanschluss für Internet und Telefonie dar, sondern auch für das Mobilfunknetz und auch sämtliche Notrufmöglichkeiten.

Ende des Jahres hat die Deutsche Telekom die alten ISDN Leitungen abgeschaltet, seitdem gibt es nur noch Telefonie mittels VoIP. Hierbei wird über das Internet eine Telefonleitung simuliert.
In Kaisersbach beispielsweise hatte dies zur Folge, dass es aufgrund des fehlenden Breitbandausbaus keine Telefonmöglichkeit mehr gab, weder Festnetz, noch Mobilfunk.

Durch das Engagement der Welzheimer Piraten ist hier Bewegung ins Spiel gekommen, aber das ist tatsächlich das Szenario, das uns langfristig blüht, wenn wir das Thema Breitbandausbau nicht energisch genug angehen.

Überspitzt formuliert, eine Gemeinde in der der Ortskern brennt und die Feuerwehr es erst erfährt, wenn die Flammen bei ihnen angekommen sind da die Notrufe nicht funktionieren.


Schlußworte


Auch die Schlußworte hielten meine Mitbewerber anhand von vorgelesenen ausformulierten Texten.

Ich hatte für die Schlußworte gar nichts vorbereitet, denn ich wollte diese wieder frei sprechen und thematisch die an mich gestellten Fragen zusammenfassen.

Zudem habe ich dies, der späten Stunde geschuldet, so kurz gehalten wie möglich.

Die Halle war auch um 22 Uhr noch weitestgehend gut gefüllt und ich hoffe noch mehr Fragen gestellt zu bekommen in den kommenden Tagen und Veranstaltungen.

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